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UMZUG!
Nun ist der September auch schon wieder vorbei. Bei euch wird's kühl, bei uns immer heißer. Und im Weblog tut sich nichts, aber auch gar nichts! Bestimmt habt ihr euch schon gefragt: Was ist los? Antwort: Nichts Aufregendes. Alles in Ordnung. Wir sind mit unserem Blog nur umgezogen. Unter der neuen Adresse können wir mehr Bilder einstellen, als das bisher hier der Fall war. Ihr erreicht uns künftig unter der Internetadresse http://guenther-cambine.blogspot.com Über die Linkliste gleich hier links nebenan könnt ihr direkt dort hin gelangen. Ihr müsst nur UNSER NEUER WEBLOG anklicken... und schon müsstet am Ziel sein. Bleibt uns gewogen - auch unter der neuen Adresse. Es grüßen euch Claudia und Thomas
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Vier Wochen zusammen und immer noch Freunde.
Manuel war es, der an unserem vorletzten gemeinsamen Urlaubstag diesen Ausspruch tat. Und es stimmt ja: wenn man so lange und so eng miteinander unterwegs ist, kann man sich auch ganz schön aneinander reiben. Doch, Gott sei Dank, solche Reibflächen, an denen sich etwas hätte entflammen können, gab es eigentlich gar nicht. Im Gegenteil, wir staunen immer wieder, wie schnell die Zeit verging. Zugleich sind wir sehr froh darüber, dass wirklich alles ohne Komplikationen abgegangen ist. Gudrun hat die Strapazen des vielen Unterwegsseins gesundheitlich gut verkraftet und auch die zahllosen Eindrücke aus der ganz anderen Welt hier haben sie nicht umgeworfen. Selbst die vielen Arbeitsstunden an der Nähmaschine, manchmal bei ziemlich schlechtem Licht, hat sie fast ohne Kopfschmerzen überstanden! Die Freude der Kinder über die neuen Kleidungsstücke war dafür ein schöner Lohn. Manuel hat sich große Verdienste als Fahrer erworben. In Deutschland fährt er meist nur S-Bahn oder seine „Schwalbe“ namens Helga. Hier war er kaum hinter dem Lenkrad wegzubekommen. Und das bei Linksverkehr und afrikanischen Verkehrsverhältnissen, die wirklich anders sind als die europäischen: viele Menschen, die auch bei Dunkelheit am Straßenrand unterwegs sind, dazu mangelhaft oder ganz unbeleuchtete Fahrzeuge und Fahrer, die Verkehrsregeln nicht zu kennen scheinen. Und Busse und LKW’s haben sowieso Vorfahrt. Zudem hat er sich als einfühlsamer Tourbegleiter für seine Großmutter erwiesen und dabei gleich noch die Grundregeln der erzgebirgischen Aussprache geübt! Auch die beiden Touren in das Kruger-Wildschutzgebiet haben ihn tief beeindruckt. Er war auch der fleißigste Fotograf von uns: fünf (!!) DVD’s haben wir gemeinsam gefüllt: etwa fünfeinhalb tausend Bilder. Da gilt es streng auszusortieren, sonst wird es für die nicht Dabeigewesenen sehr langweilig. Und das wäre kein angemessener Eindruck von unserer gemeinsamen Zeit! Inzwischen haben wir mit Gudrun und Manuel telefoniert. Sie sind wohlbehalten in Frankfurt angekommen und Karl hat seine Gudrun wieder in Empfang genommen. Während Claudia und Thomas noch eine Nacht in Nelspruit blieben, hatten die beiden Flugreisenden Aufenthalte in Johannesburg und Abu Dhabi. Zumindest Abu Dhabi wollten sie sich gleichsam im Vorübergehen anschauen. Sie ließen den Plan dann aber wegen der großen Hitze schnell wieder fallen. Claudia und Thomas fuhren am Sonnabend morgen etwas zu spät in Nelspruit los. Die Grenze nach Südafrika war derart überlaufen, dass sie um hinüber zu kommen viel länger brauchten, als sie eingeplant hatten. In Maputo haben sie noch ein paar Sachen einkaufen müssen. Auch das kostete wegen des Wochenendverkehrs mehr Zeit als gedacht. So kamen sie erst nach drei am Nachmittag von Maputo weg.Da lagen noch 500 Kilometer Weg vor ihnen. Unter hiesigen Bedingungen sind das etwa sieben Stunden Fahrt, davon mehr als die Hälfte in der Finsternis. Das ist nicht unbedingt das, was man sich am Ende des Urlaubs wünscht. Doch auch sie können sagen: „Gott sei Dank, wir sind heil angekommen!“ Die gesamte gemeinsame Zeit wird uns vieren in guter und lebhafter Erinnerung bleiben. Gudrun, Manuel, Claudia & Thomas
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19. August 2008
Heute ist schon wieder Dienstag. Und der vorige Eintrag ist schon ganz schön alt. Was ist inzwischen alles passiert? Am Sonntag haben wir in Cambine den Gottesdienst besucht. Er dauerte – wie immer – fast drei Stunden. Es war der Abschlussgottesdienst einer Konferenz des Frauenvereins der Gemeinde. Alle Frauen, die dazu gehören, trugen ihre so genannte Gebetskleidung, sozusagen die Uniform der methodistischen Frau in Mosambik: weinrote Jacke und weiße Haube. Am Nachmittag wurde Manuel von einigen Studenten des Seminars durch das Dorf geführt. Das heißt, dass er sich jetzt an manchen Stellen besser auskennt als wir. Claudia und Omi Gudrun besuchten die Kinder im Waisenhaus, um die neu genähten Kleidungsstücke anzuprobieren. Alles passte ganz gut und eigentlich wollten die Kinder die Hosen und Hemden gar nicht mehr ausziehen. Ich war inzwischen mit Senhor Obadias unterwegs zur nächsten Tankstelle. In Morrumbene, fünfzehn Kilometer entfernt, haben wir zehn Liter Diesel gekauft, um mit dem Generator Strom zu erzeugen. Und das, obwohl Cambine doch am Netz hängt? Ja, leider war das nötig, denn die neue Pumpe, die den Ort mit Wasser versorgt, schaltet automatisch ab, wenn die Spannung sinkt. Und die war anhaltet auf 205 Volt abgefallen. Inzwischen ist der Fehler behoben und ab morgen gibt es nun hoffentlich (!) wieder regelmäßig fließend Wasser. Am Montag waren wir den ganzen Tag über unterwegs. In Maxixe bestiegen unsere Gäste gemeinsam mit Claudia eine Dhau. Was das ist? Kreuzworträtsellöser und andere kluge Leute wissen es längst: ein Segelkahn arabischer Art. Mit solchen Kähnen fahren hier die Fischer hinaus aufs Meer. Und auch als Fähre werden sie genutzt, um auf kurzem Weg von Maxixe über die Bucht hinüber nach Inhambane, der Provinzhauptstadt, zu gelangen. Ich fuhr mit dem Auto die fünfzig Kilometer um die Bucht herum. Die Schifffahrt war wohl ein bleibendes Erlebnis für alle drei, zumal das Boot mitten in der Bucht plötzlich von Delfinen begleitet wurde. Am anderen Ufer angekommen, boten sich starke junge Männer an, die Fahrgäste durchs flache Wasser an Land zu tragen. Doch weder Omi Gudrun, noch die anderen beiden gaben sich diese Blöße. Beherzt sprangen sie in Wasser und kamen mit nassen Füßen und Hosen bald aufs trockene Land. Den Besuch am Strand krönte ein Bad im Indischen Ozean, während es zu regnen begann. Doch weil das Wasser selbst im Winter hier noch ziemlich warm ist (geschätzte 23 Grad), musste niemand frieren. Der Regenbogen über dem Meereshorizont war uns ein Fingerzeig auf die Güte Gottes, die wir in diesem Moment am ganzen Körper spüren konnten. Heute war ich für eine Unterrichtsstunde im Seminar – und spürte wieder einmal meine engen sprachlichen Grenzen. Was ich mir für die Stunde überlegt und vorgenommen hatte, konnte ich aus diesem Grunde nicht verwirklichen. Gemeinsam mit den beiden Direktoren werden wir eine Lösung finden - und auch Möglichkeiten, unseren Portugiesischunterricht wieder zu intensivieren. Das ist dringend notwendig. Omi Gudrun hat den Tag wieder fast ausschließlich an der Nähmaschine zugebracht. Und doch ist sie nicht ganz zufrieden. Sie würde gerne schneller vorankommen. Aber alles braucht eben seine Zeit. Ich versuche, sie immer ein wenig zu beruhigen: Du musst nicht ganz Afrika einkleiden. Tu was du kannst, mehr ist nicht nötig. „Das Wenige, was du tun kannst, ist viel!“ Immerhin Albert Schweitzer hat das gesagt. Das sollte doch helfen, oder was meint ihr? Am Nachmittag besuchten wir gemeinsam die Krankenstation, auf der Claudia arbeitet. Für uns ist das nichts Neues mehr, unsere Besucher aber wurden immer stiller. Seit drei Wochen hat die Klinik keine Medikamente mehr erhalten. Seit drei Monaten haben einige Mitarbeiter kein Gehalt mehr bekommen. Einige Räume sind schon gut renoviert, andere hätten es dringend nötig. Naja, alles kann ich hier nicht aufschreiben. Nur eines noch, weil Omi Gudrun es immer mal wieder sagt: „Es ist wirklich ein Unterschied, ob man ab und zu mal was von euch liest oder ein paar Bilder sieht, oder ob man alles mit eigenen Augen betrachtet. Wenn du wirklich da bist, ändert sich der Blick auf die Dinge ganz gewaltig!“
Das ist wohl wahr. Und auch wenn Fernflüge wahrlich keine ökologische Art des Reisens darstellen, wie anders kann man sich einen lebendigen Eindruck vom Leben außerhalb der eigenen Kultur verschaffen? Und das scheint mir genau so wichtig und sinnvoll zu sein wie der Schutz der Umwelt. Soviel für heute, Thomas
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14. und 15 August 2008
Gestern am Donnerstag haben wir’s hingekriegt. Genau genommen waren wir es gar nicht selber. Senhor Jordão hat es geschafft, dass die Nähmaschine nun endlich wirklich näht. Der Trick war, wie so oft, ganz einfach, nur drauf kommen musste man halt. Er nahm „den Zwirn aus der Spannung“ (nicht etwa umgekehrt!) und schon ging’s los. Seitdem hat Omi Gudrun alle Hände voll zu tun. Und was unter diesen Händen entsteht, das kann sich sehen lassen.
Aus dem Theologischen Seminar kam eine schlechte Nachricht: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war eingebrochen worden. Die Fenster der Klassenzimmer sind nicht vergittert. So ist es leicht, sie aufzubrechen. Und ist der Dieb erst mal im Haus, dann kommt er auch in die Bibliothek, obwohl die vergittert und verschlossen ist. Doch wer nachts durch Fenster einsteigt, kommt nicht um zu lesen. Gezielt entwendete er die Bücher, die sich am besten wieder verkaufen lassen: Wörterbücher. Dabei hatten wir gerade von ihnen nur wenige. Ein lange geplantes Gespräch im Krankenhaus Chicuque kam nicht zustande, weil der Gesprächspartner von einer Dienstreise noch nicht zurückgekehrt war. Schade, denn ich hatte extra Unterricht ausfallen lassen müssen. Aber so ist das manchmal. Um nicht umsonst nach Chicuque gefahren zu sein, haben wir Dona Claudia besucht. Ja, es gibt noch eine zweite Claudia hier. Sie stammt aus Brasilien, ist Biologin und arbeitet in Chicuque im Centro da Esperança. Ihr Mann Eduardo ist Chirurg und arbeitet im Krankenhaus. Beide kommen aus der EmK in Brasilien. Das Wasser fließt immer noch nicht, aber immerhin konnte das Geld für eine neue Pumpe vorfinanziert werden, so dass sie vielleicht am Wochenende nach Cambine kommt und nächste Woche angeschlossen werden kann. Wir hoffen weiter!
Sensibilisiert durch den Einbruch im Seminar haben auch Omi Gudrun und Manuel letzte Nacht seltsame Geräusche wahrgenommen. Claudia und ich schliefen offenbar tief und fest, wir hörten nichts. Aber wahrscheinlich war es doch nur Getier, das ums Haus schlich, jedenfalls ließen die Katzenspuren im Sand darauf schließen. Ich war heute mal wieder im Seminar: Auswertung und Wiederholung der Aufgaben des Abschlussexamens im letzten Semester. Als ich auf das Thema Spickzettel zu sprechen kam, grinsten alle... Naja, auch TheologiestudentInnen sind nur Menschen. Deutlich gemerkt habe ich auch, dass die vergangenen Wochen, in denen wir viel Deutsch und Englisch sprachen, meinem Portugiesisch nicht gut getan haben. Omi Gudrun meldet, dass sie erfolgreich den Plan erfüllt. Bis zum Einbruch der Dunkelheit konnte sie ihre sieben Sachen fertig nähen, die sie sich für heute vorgenommen hatte. Selbst Besucherinnen, die gekommen waren, um sie zu begrüßen, konnten sie nur zum Teil vom Arbeiten abhalten: „Sinst läfft mier doch de Zeit dervaa!“ Recht hat die Omi: Heute ist Bergfest. Halbzeit. Heute beginnt der Heimweg. In vierzehn Tagen hebt der Flieger ab. Wir sind gespannt auf das, was diese Tage uns noch bringen werden. Wir hoffen und beten, dass es gute Erfahrungen sein werden. Für morgen haben wir uns einen Ausflug an den Indischen Ozean vorgenommen. Barra Beach in der Nähe der Stadt Inhambane. Nähpause! Soviel für heute, Thomas
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13. August 2008
Der Tag begann mit einem strahlend blauen Himmel. Die Wintersonne schien hell und warm. Ein nicht gerade sonnenverwöhnter Mitteleuropäer mag das neidvoll zur Kenntnis nehmen. Für die Menschen in Cambine stellt es eher ein Problem dar. Die Felder vertrocknen. Es herrscht Wassermangel. Die Elektropumpe funktioniert noch immer nicht. Und genügend Geld für die Reparatur ist auch nicht vorhanden. Eine gute Nachricht: Die Lagenser Cambine-Freunde werden die notwendige Summe zur Verfügung stellen. Doch wie kommt das Geld möglichst schnell und möglichst vollständig nach Cambine? Überlegungen. Gespräche. Telefonate. Am Abend ist eine Lösung gefunden. Morgen wird das Geld auf den Weg gebracht. Und eine Zwischenfinanzierung scheint auch möglich. So kann Dona Maisa, die gerade in Maputo ist, die neue Pumpe am Wochenende gleich mitbringen. Nächste Woche, vielleicht, werden wir wieder fließendes Wasser haben. Hoffen wir's.
Manuel findet Freude am Autofahren. Und welcher Knabe, gleich welchen Alters, könnte das nicht verstehen? Mit dem Allradwagen auf der Sandpiste, davon träumt doch jeder Junge irgendwann... Das ist ein Cliché? Kann sein. Manuel jedenfalls fährt gerne und heute hatten wir auch ein paar Wege zu erledigen. Zum Beispiel: Wasser holen am Brunnen. Zwei Brunnen gibt es in Cambine. Im Moment gibt aber nur einer davon Wasser. Darum trifft sich dort das ganze Dorf. Und entsprechend lange muss man warten, bis man seine Eimer und Kanister füllen kann. Dona Marta war schon voraus gegangen. Manuel kam eine halbe Stunde später mit dem Auto nach und musste noch eine ganze Weile warten, bis er Dona Marta und die vollen Gefäße nach hause bringen konnte.
Omi Gudrun hat viele Stunden an der Nähmaschine zugebracht. Leider noch ohne große Erfolge, was aber nicht an ihr liegt! SINGER tut nicht, was sie soll. Den ganzen Tag über haben wir versucht, die Nähmaschine so einzustellen, dass die Nähte halten. Es ist uns noch nicht gelungen. Immer wieder gab es Probleme. Und die anderen Maschinen, die es in der Berufsschule gibt, stehen dort hinter verschlossenen Türen. Und nur ein Lehrer hat den Schlüssel. Und der ist gerade nicht da. Und auch der Direktor ist verreist. Es ist wirklich so: Es klappt selten etwas im ersten Anlauf. - Ist das nur in Afrika so? Sicher nicht. Aber hier trifft der Satz in besonderer Weise zu. Bleibt zu sagen: Morgen ist ein neuer Tag. Im Waisenhaus sind amerikanische Gäste. Als wir heute dort waren, spielten sie gerade mit den Kindern. Sie hatten viel Spaß miteinander. Die Kinder erhielten Geschenke: Blockflöten aus Plastik, Luftballons zum Spielen, Modeschmuck für die Mädchen. Laut flötende Kinder, dazwischen weinende, weil die Instrumente nicht für alle reichten oder weil die Ballons zerplatzten. Irgendwie war es trotzdem ein fröhlicher Lärm. Bei uns vor der Tür. Zehn oder zwölf Schulkinder auf dem Heimweg. Omi Gudrun sitzt an der Nähmaschine. Die Nähmaschine steht am Fenster. Die Kinder sehen das graue Haar. Sie lachen zum Fenster herein. Sie winken. Sie rufen. Omi Gudrun winkt zurück. Sie holt Bonbons und geht zu den Kindern. Die sind ganz gierig auf das Süße. Bonbons fallen auf den Boden, aber keines bleibt dort liegen. Ein großes Gewühle. Doch in allem fröhliche Gesichter.
Zwei Beispiele. Ganz alltägliche. Können die kleinen Geschenke mehr sein als ein unbeholfener Versuch von uns Reichen, mit unserem Überfluss einen Moment Freude zu bereiten? Und dabei auch selber etwas von dieser Freude zu spüren? Doch wir spüren auch unsere Hilflosigkeit, denn weder Spielzeugflöten noch Bonbons vermögen die Situation der Kinder nachhaltig zu ändern. Doch genau darauf käme es an. Soviel für heute, Thomas.
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Gäste aus einer anderen Welt
Nun sind wir schon seit mehr als einer Woche gemeinsam mit Omi Gudrun und Sohn Manuel in Afrika unterwegs. Dabei haben wir auch das Wildschutzgebiet besucht, das oft irreführender Weise „Krüger-Park“ genannt wird. Aber weder ist das ein Park, noch wurde er nach Hardy Krüger benannt. Der Mensch, dessen Name hier verewigt wurde, hieß Paul Kruger und war einer der Begründer der Apartheid-Ideologie. Man wollte den Namen schon ändern, das war aber eben so wenig möglich, wie man Coca-Cola umbenennen könnte.
Wilde Tiere leben dort und sie bestimmen die Regeln, an die die Besucher sich halten müssen. Wenn sie es tun, kann sich der Besuch bei Elefant, Löwe und Co zu einem bleibenden Eindruck verdichten. Tun sie es nicht, kann es bös ausgehen. – Unser Besuch hat uns tief beeindruckt. Weil wir einen kundigen Ranger am Steuer sitzen hatten, waren wir oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort und haben viele Tiere sehen können. Elefanten, Löwen, Nashörner, Giraffen, Flusspferde, Krokodile, diverse Vögel, ja sogar fliegende Hunde. Glaubt ihr nicht? War aber so. Nur der Leopard, den unser Ranger in dreihundert Metern Entfernung mit bloßem Auge gesehen haben will, war wohl doch ein Stein. Wir jedenfalls sind uns da sicher. Übrigens sind wir nur zu viert unterwegs. Wirklich schade, aber Manuels Freundin Fabienne konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mitkommen. Sie hat immer noch mit den Folgen eines Fahrradunfalls im letzten Jahr zu kämpfen. Gute Besserung! Und vielleicht klappt es ja später noch mal. Am vergangenen Sonnabend sind wir dann nach Maputo gereist. Von Nelspruit, wo wir unsere Gäste vom Flugplatz abholten, sind das ganze zweihundert Kilometer. Der Grenzübertritt war problemlos. Darüber sind wir sehr froh, denn die Textilien, die Omi Gudrun im Koffer hatte, waren nur zum kleinsten Teil für sie selber bestimmt. Das meiste ist für die Kinder im Waisenhaus bestimmt und der Rest für die Kranken in der Klinik, in der Claudia arbeitet.
Maputo: eine Riesenstadt von mindestens einer Million, wahrscheinlich anderthalb Millionen Einwohnern. Viel Verkehr, viel Lärm, viel Dreck. Am Sonntag besuchten wir den Gottesdienst in Malanga. Und am Montag gingen wir einkaufen, all die Dinge besorgen, die es bei uns auf dem Dorf nicht gibt, zum Beispiel Bindfaden oder Schwarzbrot. Die Fahrt nach Cambine dauerte sechs Stunden und wir kamen gut voran. Heute nun, am Tag eins in Cambine, haben wir erst mal alles ausgepackt. Manuel hat unser neues Radio aufgebaut und nun haben wir wieder einen satten Sound im Hause. Für Omi haben wir eine Singer-Nähmaschine geliehen, so eine ohne Strom, zum Treten, die es hier aus guten Gründen immer noch als Neuware im Supermarkt zu kaufen gibt. Nadeln haben wir besorgt und Nähmaschinenöl. Morgen kann’s also losgehen: Nähen, was das Zeug hält! Ja, es sind schon viele Eindrücke, die es zu verarbeiten gibt. Viele kleine und große Einzelheiten, die uns immer wieder deutlich machen, wie unterschiedlich das Leben in Deutschland und in Mosambik ist. In Cambine zum Beispiel gibt es nun schon seit Wochen kein fließendes Wasser... Trotzdem: es geht uns gut miteinander, auch gesundheitlich. Dafür sind wir sehr dankbar. Auch auf unseren Fahrten und Ausflügen haben wir bisher noch keinerlei kritische Situationen erlebt. Gott sei Dank. Übrigens: dass ihr so lange nichts Neues von uns erfahren konntet, lag nicht etwa an Desinteresse oder Böswilligkeit unsererseits! Wir hatten unterwegs schlicht keinen Internetzugang, und als wir Zugang hatten, funktionierte unser Weblog nicht richtig, so dass wir nichts hochladen konnten. So viel für heute: Thomas
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Mpumalanga
So heißt die Provinz Südafrikas, in der wir uns im Moment befinden. Hier in der Gegend von Nelspruit gibt es viele Zitrusplantagen und jetzt im Südwinter hängen in leuchtender Farbe die Orangen an den Sträuchern. Die übrige Vegetation allerdings ist ziemlich vertrocknet. Unsere Gastgeber sagen, dass das Wasser sehr knapp ist. Es regnet zu wenig. Auch die Energie ist knapp. In jüngster Vergangenheit gab es immer wieder Stromabschaltungen. In unseren Tagen hier haben wir das allerdings noch nicht miterlebt. Gestern haben wir eine Tagestour gemacht und haben den Blyde River Canyon besucht. Die drei markantesten Felsengebilde sehen aus wie die typisch afrikanischen Rundhütten und heißen deshalb auch so: die drei Rondavels. Ganz in der Nähe hat der Blyde River noch andere Strukturen in den Fels geschnitten, die sogenannten Potholes, durch Strudel entstandene Ausspülungen, den nicht unseren anatomisch gebildeten Sohn an Gelenkpfannen aus Skeletten erinnern. Aus „Gottes Fenster“ haben wir auch geschaut. So heißt hier ein berühmter Ausblick. Der Blyde River entspringt im Gebirge, dass nach Osten hin an einer steilen Abbruchkante zum sogenannten Lowveld hin viele hundert Meter abfällt. Da unten liegt dann auch der Kruger-Park. Und wenn das Wetter mitspielt und vom Indischen Ozean her nicht zu viel feuchte Luft auf den Kontinent dringt, hat man eine grandiose Aussicht. Gestern war es ein wenig diesig, so dass wir zwar keine hervorragende Sicht hatten, uns aber doch wenigstens einen guten Eindruck von der Gegend verschaffen konnten. In Pilgrim's Rest, einer alten – und inzwischen tüchtig touristisch aufpolierten – Goldgräbersiedlung haben wir auch kurz gerastet. Naja, viele Besucher, Händler und Menschen, die auf dem Parkplatz ungefragt die Autos waschen und dann dafür bezahlt werden wollen. Ja, auch hier begegnet einem die Armut immer wieder, auch wenn man das im schönen Urlaubsquartier manchmal fast vergisst. Heute haben wir uns nochmal auf Einkaufstour begeben. - Immer wenn wir nach Nelspruit kommen, müssen wir das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Arztbesuche und Einkäufe sind eben auch nötig. Das ist das Besondere an Südmosambik: Das europäische geprägte Leben ist nicht soweit weg wie in anderen Teilen Afrikas. Nur hartgesottene Puristen bedauern das. Um ehrlich zu sein: Wir gehören nicht zu ihnen. Soviel für heute: Thomas
Wir auf der Brücke über dem Fluss,...
der seinem Namen alle Ehre macht: Crocodile River.
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